Kamillianer

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Beim Treffen kam es auch zu einem Austausch der Provinziale und Delegaten des Kamillianerordens (im Bild Provinzial P. Jörg Gabriel aus Deutschland mit dem Delegaten aus Tansania und P. Alfréd György aus Österreich bei der Messfeier).

„Worin besteht in unserer Zeit – zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – die prophetische kamillianische Präsenz sowohl für Samariterinnen als auch für Samariter?“

Schlussbotschaft der Zusammenkunft der Familie des kamillianischen Charismas, Rom, vom 10. bis 14. März 2019

Die Charismen sind kein verschlossener Schatz, der einer Gruppe anvertraut wird, damit sie ihn behütet; es handelt sich vielmehr um Geschenke des Geistes für Personen, die in den Leib der Kirche eingegliedert sind und zur Mitte, die Christus ist, hingezogen werden.“ Papst Franziskus

Wir sind acht Verwirklichungen des kamillianischen Charismas, welches von tiefer Menschlichkeit, vom Geist des Evangeliums zeugt und immer aktuell und vor allem notwendig ist für die heutige Welt.

  1. Ein Männerorden: Die Diener der Kranken (Kamillianer)
  2. Vier Frauen-Kongregationen:
    – Die Töchter des heiligen Kamillus (der selige Luigi Tezza und die selige Giuseppina Vannini)
    – Die Dienerinnen der Kranken des heiligen Kamillus (die selige Maria Domenica Brun Barbantini)
    – Die Dienerinnen der Menschwerdung (P. Primo Fiocchi)
    – Stella Maris (Guarulhos - São Paulo/Brasilien)
  3. Zwei Säkularinstitute:
    – Die Missionarinnen der Kranken - Christus die Hoffnung (Germana Sommaruga)
    – Die Kamillianischen Schwestern - Camillian Sisters (P. Calisto Vendrame und Heidi Hinteregger)
  4. Eine Organisation von Laien, die mit den Kamillianern verbunden sind: Die Kamillianische Familie der Laien (FCL)

Welche Botschaft erhalten wir von diesem Treffen, bei dem sowohl Ordensleute, als auch Mitglieder von Säkularinstituten und Laien, die sich alle auf die Spiritualität des heiligen Kamillus stützen, anwesend waren? Im Bewusstsein, dass wir dieselbe Quelle haben für die verschiedenen Ausprägungen des Charismas, wünschen wir diese Botschaft sowohl für uns als auch für die ganze Welt bekannt zu machen.

Es war das erste Mal, dass wir die Gelegenheit hatten, den verschiedenen charismatischen Verwirklichungen zu begegnen, die ihren Ursprung im Wirken des heiligen Kamillus haben und uns gegenseitig kennenzulernen, um einen gemeinsamen Weg zu gehen. Wir sind eine Kirche, die eine gemeinsame synodale Beratung gelebt hat. Der Heilige Geist und die zwei Figuren aus dem Evangelium, nämlich die Samariterin am Brunnen und der Samariter auf der Straße von Jericho haben uns geführt.

Für wen will ich der Nächste sein?

P. Patrizio Sciavini hat uns die Bedeutung dieser zwei Figuren nahegebracht, nämlich zunächst die Initiative Gottes, die einer jeden unserer Begegnungen vorausgeht („Gib mir zu trinken“), damit wir dann unseren Wasserkrug stehen lassen, weil wir in unserem Leben die Fülle gefunden haben und so von einer angeredeten Person zu einer verkündenden Person werden. Und worin besteht die Botschaft des Samariters? Sie ist die uneingeschränkte Teilnahme am Leiden des Anderen, ohne jeglichen Gedanken an seine Glaubenszugehörigkeit oder an Gesetzesvorschriften. Es handelt sich um Liebe, die das Gesetz überschreitet und es außer Funktion stellt. Auf diese Weise wird die Frage „Wer ist mein Nächster?“ umgekehrt in die Frage „Für wen will ich der Nächste sein?“

Da wir gesehen haben, dass an diesem Treffen Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit verschiedenem kulturellen und geschichtlichen Hintergrund teilgenommen haben, haben uns die Überlegungen über die Interkulturalität weitergeholfen, uns in einem Wachstumsprozess weiter zu entwickeln und bewusst zu werden, dass es nicht genügt eine Mentalität zu wechseln, sondern es vielmehr nötig ist, eine „Mentalität des Wechsels“ zu erwerben, die nicht einfach dasjenige, was geschieht, passiv akzeptiert, sondern die auch selber den Wechsel verwirklichen will! Da Personen aus allen Teilen der Erde zusammengekommen waren, erlebten wir den Welt-Charakter unseres Glaubens. Wir sahen, wie das Evangelium in aller Welt verwirklicht wird. Die gemeinsame Sprache war daher das Evangelium. Die Gemeinschaftserfahrung bei dieser Begegnung und beim gegenseitigen Zuhören war vielgestaltig, ebenso bei der informellen Mitteilung von Schwierigkeiten. Sie bestätigten den Wert, unserer Berufung Folge zu leisten – in Treue und Liebe zur eigenen Lebensaufgabe.

Von P. Amedeo Cencini wurden wir angeregt, in der Ehrlichkeit die Wahrheit anzuerkennen, und unseren Weg im Geiste der „docibilitas“ (diese bedeutet aus allen Lebensumständen und aus den Beziehungen mit allen Personen zu lernen) zu gehen und uns zu üben auf den „Ganz-Anderen“ – auf Gott – zu hören. Das heilige Volk Gottes, zu dem wir gehören, ist dazu gerufen, den Glauben in der Kirche zu bezeugen und zu vertiefen, indem sie den Sinn des menschlichen Leidens findet und die menschliche Person aufwertet, indem sie diese in ihrer Ganzheit betreut. Es ist menschgewordene Hoffnung, die wir in dieser vielgestaltigen Mannigfaltigkeit von Personen, die sich auf den heiligen Kamillus berufen, entdeckten. Es handelt sich gleichsam um ein „sich Ausleben“ des Heiligen Geistes, das immer Neuigkeiten hervorbringt (Sr. Elisa Kidanè).

Dankbar dafür, berufen zu sein in der Überzeugung, dass die gelebte Verschiedenartigkeit uns bereichert hat und ebenso dankbar zu sein für die Diversität, die unsere Brüderlichkeit gestärkt hat, gehen wir gemeinsam den Weg der Hoffnung und des Vertrauens, um der Welt mitzuteilen, dass es möglich ist, Propheten der Erbarmung zu sein mit einer immer klarer ausgeprägten kamillianischen Identität, verwirklicht in den verschiedenen Kulturen.

Dieses für die Geschichte der kamillianischen Bewegung gnadenhafte Treffen war der Beginn eines Weges, der sich für die charismatische kamillianische Familie öffnet und uns zur freudigen Gemeinsamkeit zwischen uns und zu unserer Sendung bei den Leidenden führt. Übersetzung: Franz Neidl


Erna Mair (links), P. Alberto Marques de Sousa und Maria Manzenreiter


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